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Digitale Zeitenwende für Europa

So bringt ViDA die Mehrwertsteuer grenzenlos zum Fließen

Europa, ein Musterland der Bürokratie? Das könnte sich bald ändern: Die Initiative ViDA (VAT in the Digital Age) punktet als Meilenstein auf dem Weg zur Digitalisierung und ist seit dem 11. März 2025 beschlossene Sache. Mit ViDA bringt die Europäische Kommission eine grundlegende Reform der Mehrwertsteuer-Regelungen auf den Weg. Das klingt nach Symbolpolitik, ferner Zukunft und erscheint zu komplex? Hier kommt der Faktencheck! Wir bringen ViDA auf den Punkt und Vorteile zur Sprache.

ViDA – Europas Antwort auf bürokratische Hürden und Steuerbetrug

Es ist ein offenes Geheimnis: Grenzüberschreitende Transaktionen innerhalb der EU gelten als kostspielig, ineffizient und gespickt mit bürokratischen Hürden. Kein Wunder, wer bewahrt in der Fülle nationaler Vorschriften schon den Überblick? Die gelebte Praxis ist fehleranfällig und verleitet zu Mehrwertsteuer-Betrug. Letzterer kommt der EU teuer zu stehen: Laut Angaben des Deutschen Bundesrates (Drucksache 48/23) belief sich die Mehrwertsteuerlücke in der EU im Jahr 2020 auf geschätzte 93 Milliarden Euro.

 

Fünf zentrale Vorteile von ViDA – so profitieren Unternehmen und Fiskus

Die Europäische Kommission will hier gegensteuern. Schließlich lässt sich auf Dauer kein Plus mit einem Verlustgeschäft machen. Anstelle von Betrug und Verwaltungsaufwand sollen Einnahmen und Effizienz zum Tragen kommen. Europa profitiert mit zahlreichen Vorzügen. Hier sind fünf davon:

  1. Schluss mit Bürokratie – Einheitliche digitale Lösung für alle Mitgliedsstaaten
    Die Fülle abweichender Vorschriften treibt administrative Kosten in die Höhe und birgt Risiken. ViDA schafft einheitliche digitale Meldepflichten für Rechnungen und Transaktionen. Das Programm setzt auf Klarheit, Transparenz sowie automatisierte Abläufe und führt nachhaltig ins papierfreie Büro.

  2. Rechnungen und Reporting - in Echtzeit transparent
    Mit ViDA wird die elektronische Rechnungsstellung europaweit verpflichtend. Unternehmen müssen Rechnungen künftig digital erstellen, versenden und archivieren. Parallel dazu erfolgt die Meldung von Transaktionsdaten nahezu in Echtzeit an die Finanzbehörden. Damit haben Unternehmen stets Klarheit zu sämtlichen Geschäftsvorgängen, können Liquidität besser planen und Betrugsrisiken minimieren.

  3. Die digitale Entfesselung – weniger Aufwand und mehr Effizienz
    Die Digitalisierung der Mehrwertsteuerprozesse senkt den Verwaltungsaufwand in beachtlicher Weise. Fehleranfällige manuelle Abläufe und kostspielige Korrekturschleifen gehören der Vergangenheit an. Unternehmen, die bereits EDI-Lösungen nutzen oder frühzeitig implementieren, profitieren nun besonders stark: Sie sparen Zeit und reduzieren Fehlerquoten sowie Betriebskosten deutlich.

  4. Bessere Compliance – weniger Risiken
    Digitale Echtzeit-Systeme sorgen dafür, dass steuerliche Vorschriften einfacher und zuverlässig eingehalten werden. Dank automatisierter Prozesse wird die Steuererhebung effektiver und transparenter. ViDA reduziert damit Compliance-Risiken und bewahrt Unternehmen vor hohen Nachzahlungen und Strafen.

  5. ViDA - Treibstoff für klare Prozesse und zügigen Cashflow
    Mit digitalisierten Mehrwertsteuerprozessen optimieren Unternehmen ihre gesamte Finanzplanung. Rechnungen werden schneller verarbeitet, Zahlungen erfolgen zügiger, der Cashflow verbessert sich. Gerade im internationalen Handel zahlt sich diese Effizienz langfristig aus – finanziell und organisatorisch.
     
© iStockphoto

Der Fahrplan zur Umsetzung von ViDA – Meilensteine im Überblick

So viel ist klar: Bürokratie und Verwaltungsaufwand können nur schrittweise überwunden werden. ViDA lässt sich nicht verordnen, sondern ist an eine abgestimmte Einführung in den Mitgliedsstaaten der EU gebunden. Das sind wichtige Meilensteine:

2025

April 2025

Die ViDA-Richtlinie tritt in Kraft. Die Mitgliedstaaten können die Ausstellung von E-Rechnungen für inländische Lieferungen bereits ohne Genehmigung des EU-Rates verpflichtend machen.

2026

2026

Erweiterte Anforderungen an den elektronischen Datenaustausch und die E-Rechnung treten in Kraft.

 

2028

1. Juli 2028

Für grenzüberschreitende Verkäufe innerhalb der EU wird ein einheitliches EU-Mehrwertsteuer-Registrierungssystem eingeführt. Das optionale „Deemed Supplier"-Regime verpflichtet Online-Plattformen, die den Warenverkauf an Verbraucher in der EU erleichtern, die Mehrwertsteuer unter bestimmten Bedingungen zu erheben und abzuführen. Auch wird die Reverse-Charge-Regelung erweitert: Ist der Verkäufer nicht im Land des Käufers ansässig, geht die Steuerschuld vom Verkäufer auf den Käufer über. Der One-Stop-Shop (OSS) ermöglicht es Unternehmen, ihre Mehrwertsteuer-Pflichten EU-weit über ein einziges Online-Portal zu erfüllen.

2030

1. Jänner 2030

Das "Deemed Supplier"-Regime wird in allen Mitgliedstaaten verpflichtend. Aktualisierte Mehrwertsteuer-Regeln für die Plattformökonomie treten in Kraft.

2030

1. Juli 2030

Die digitale Berichterstattung für innergemeinschaftliche Ein- und Verkäufe im B2B-Bereich wird verbindlich. Der Startschuss für das Echtzeit-Reporting via E-Invoicing fällt. Für grenzüberschreitende EU-Transaktionen werden E-Rechnungen obligatorisch.

2035

2035

Nationale digitale Reportingsysteme werden an ViDA-Standards angepasst.

Beschleunigte Transaktionen, Effizienz, Kostenbewusstsein dank EDI

Zahlreiche Unternehmen, die EDI nutzen, schätzen längst die Vorzüge der elektronischen Rechnungslegung. Hier macht Fortschritt den Unterschied: Wer rechtzeitig auf EDI und digitale Systeme setzt, vermeidet hektische Nachrüstungen und profitiert schon heute von einem klaren Wettbewerbsvorteil.

Fit für ViDA - was Unternehmen bereits anpacken können

ViDA ist eine strategische Chance, macht den europäischen Wirtschaftsraum berechenbarer und stark für die Herausforderungen von morgen. Diesen Fragen und Themen sollten sich Unternehmen nun stellen:

  • Bestandsaufnahme: Wo stehen Prozesse aktuell? Wo gibt es Optimierungsbedarf?
  • Digitale Transformation starten: durch das Implementieren von EDI und automatisierten Lösungen.
  • Menschen mitnehmen: Teams sollten gut informiert werden und den Wandel aktiv mittragen.


Die ViDA-Initiative, so digital wie die Zukunft

ViDA – dieses Kürzel steht für eine große Möglichkeit und ist mehr als ein umfassendes technologisches Upgrade. Das Vorhaben ist eine strategische Säule für den zukunftsfähigen europäischen Wirtschaftsraum. Treten Sie mit ViDA über die Schwelle eines neuen Zeitalters, nutzen Sie die Dynamik auf dem Weg zur digitalen Mehrwertsteuer und gestalten Sie schon heute Ihren Vorsprung im europäischen Wettbewerb! 

Zur Person

Tomasz Kuciel

Director of E-Invoicing and Digital Compliance – EDITEL Group

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